Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

 

nach dem Buch von Janne Teller | Regie Pınar Karabulut | Ausstattung Franziska Harm | Dramaturgie Michael Isenberg
mit Alexander Angeletta, Thomas Kitsche

Ein Gedankenexperiment: Rund 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges tobt in Europa erneut ein Krieg. Die demokratische Politik ist gescheitert, und faschistische Diktaturen haben die Macht übernommen.
Der jugendliche Protagonist muss mit seiner Familie aus Deutschland fliehen, nach Ägypten, dorthin, wo es sicher ist. Doch in diesem Land sind sie nicht willkommen. In einem ägyptischen Flüchtlingslager versucht die Familie, sich ein neues Leben aufzubauen. Da der Junge keine Aufenthaltsgenehmigung hat, kann er nicht zur Schule gehen, kein Arabisch lernen und nicht arbeiten. Er sehnt sich nach Hause, aber wo ist das?

 

Premiere am 28. August 2016 am Staatsschauspiel Dresden

Foto: Daniel Koch 

 
Trailer
 
Pressestimmen

„Die beiden jungen Darsteller Alexander Angeletta und Thomas Kitsche sind wahrhaft gut gewählt für diese so ungewöhnliche Aufführung. Die nicht dozieren und belehren will, sondern es mit Sprache, Klang, Szene in der wahrhaft vom Krieg gezeichneten Trinitatiskirche versteht, das Unvorstellbare denkbar zu machen. Nicht als Horrorszenario wie in Action-Filmen, sondern als eine Art des Einfühlens, des Empfindens. Als eine Annäherung an jene, die es am eigenen Leibe, im eigenen Lande erlebt haben, es noch erleben, durchleben müssen. Krieg. Stell dir vor, er wäre hier. Das will man sich nicht vorstellen. Das kann man sich nicht vorstellen. Für die anderen aber ist es bittere Realität.
Und das spürt man doch sehr genau, wenn beispielsweise Thomas Kitsche zu Beginn mit dem Gestus, dem Tonfall der Sieger auftritt, mit der Sprache jener, die hinter dem ‚Schalter‘ ihre Macht ausüben. Egal wo und wann. Und begreift am Ende geradezu leibhaftig, mit welchem Trauma, welchen Hoffnungen ein Flüchtling leben muss, als Alexander Angeletta mit seinem einsamen, kantigen, klagenden, sich behauptenden, Trotzalledem- ‚Tanz‘ durch die Ruine zieht. Das prägt sich ein. Das vergisst man nicht.
Dresdner Neueste Nachrichten, 30.08.2016, Gabriele Gorgas

„‚Wenn Krieg wäre, wohin würdest du gehen?‘, fragt Thomas Kitsch mit gebieterischer Stimme – und wartet darauf, dass die Leute ihm antworten. In dem Theaterstück ‚Krieg. Stell dir vor, er wäre hier‘ nach der Kurzgeschichte von Janne Teller unternimmt das Staatsschauspiel ein Gedankenexperiment. Durch die du-Form wird das Publikum unmittelbar angesprochen und erlebt die Flüchtlingsgeschichte aus der Sicht eines 14-Jährigen aus Deutschland, der mit seiner Familie nach Ägypten flieht.
Mehr noch als in der Geschichte erlebt das Publikum in der Bühnenfassung von Pınar Karabulut die Flüchtlingskrise am eigenen Leib. Man sieht sich der Willkür cholerischer Grenzbeamter ebenso schutzlos ausgeliefert wie den gesichtslosen Beamten, die für das persönliche Asylverfahren zuständig sind. Immer wieder wird mit dem Publikum interagiert, um das Gefühl der Ohnmacht des eigenen Schicksals gegenüber zu vertiefen.
Die Vorstellung stimmt nachdenklich, was sowohl der Trinitatiskirchruine als Spielort zu verdanken ist, die selbst schon Erinnerungsort ist, als auch den schauspielerischen Leistungen von Alexander Angeletta und Thomas Kitsche, die an ihre körperlichen Grenzen gehend alle Rollen des Stücks übernehmen. Zusammengenommen hinterlässt das ein Gefühl der Betroffenheit, das seinen pädagogischen Anspruch nicht verfehlt und uns die Flüchtlingskrise mit anderen Augen sehen lässt.“ DRESDNER Kulturmagazin, 29.08.2016, Stephan Zwerenz

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